Offener Brief von Franz Korte zur aktuellen Situation in der Landwirtschaft

Offener Brief – persönliche Stellungnahme                                                                                                  Delecke, im Oktober 2018

Liebe Kunden, Lieferanten, Freunde und Wegbegleiter,

Ich möchte heute auf diesem speziellen Weg einmal versuchen, meinen Ärger loszuwerden und vielleicht auch zum Nachdenken anzuregen.
Dazu beginne ich einmal in der Vergangenheit:
In der Generation meiner Eltern und Großeltern gab es einige Berufsgruppen, die besonders angesehen waren: Ärzte, Pfarrer, Lehrer und … ja, tatsächlich Bauern!
Damals waren der Wert und die Bedeutung und vor allem die Herkunft der Nahrungsmittel noch bekannt. Heute ist dieser Bezug offensichtlich weitestgehend verloren gegangen, weil
alles immer, überall und für ganz kleines Geld im Angebot ist. Die Wertschätzung ist komplett verloren gegangen.
Wenn man sich heute im Gespräch als Landwirt outet, muss man sofort eine Entschuldigung hinterherschieben oder sich rechtfertigen.
Das ist eine Form von Respektlosigkeit einer Berufsgruppe gegenüber, die sich wie keine zweite in der Vergangenheit und aktuell um die Versorgung der Bevölkerung verdient macht:
dörflich verankert und mit einem gesunden Wertesystem, im Gegensatz z. B. mit der PKW Branche und anderen Wirtschaftszweigen. Hier lernen wir täglich dazu!

Da stimmt doch etwas nicht!

Auch die absolut einseitige und oftmals gefärbte Berichterstattung in vielen Medien kommt fast immer mit Schlagworten daher, die sich gebetsmühlenartig wiederholen:
Massentierhaltung, Überdüngung, Turbowachstum, … . Und damit entsteht ein „Parallel- Universum“ (Michael Miersch), das nicht der Realität entspricht.
Dazu ein paar Fakten:
– Fast alle Tiere werden nach Tierwohlkriterien gehalten (tiergerecht – artgerecht ist falsch!)
– Die Tiere haben mehr Platz, Licht, Luft, Hygiene, Kontrolle, Betreuung als jemals zuvor
– Der Einsatz von Tierarzneimitteln ist seit 2011 um 57 % gesunken (Quelle: BVL)
– Die Fütterung der Tiere unter Berücksichtigung der Düngeverordnung ist weit verbreitet und wird Standard. Hier können Stickstoff und Phosphor, die Boden und Wasser belasten können, um über 40 % reduziert werden
– Durch diese Strategien benötigen wir weniger importiertes Sojaschrot, heimische Proteinträger gewinnen an Bedeutung
– Alle Tiere werden exakt nach ihrem Bedarf versorgt und auf den Punkt gefüttert, altersentsprechend und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, im Gegensatz zu dem, was viele Menschen essen und trinken, aber das würde jetzt zu weit gehen
Diese Aufzählung könnte ich noch beliebig fortsetzen, aber auch das würde den Rahmen sprengen.
Übrigens: auch früher haben Tiere gefressen, mit wesentlich mehr Futter, bei schlechterer Verwertung dieser begrenzten Ressourcen und auch diese Tiere hatten Exkremente, in
denen sie teilweise bis zum Ende ihres Lebens stehen mussten!
Auch die Diskussion um das Kastrieren der männlichen Ferkel zeigt ein problematisches Bild.
In Deutschland werden hier durch politische Entscheidungen bestimmte Wege verbaut, die in benachbarten Ländern (Dänemark – Selbstversorgungsgrad 700 %) Standard sind.
Viele, vor allem kleinere, deutsche Ferkelerzeuger werden das Handtuch werfen, wenn es da nicht umgehend zu einer angepassten Regelung kommt.
Die fehlenden Ferkel werden dann über hunderte Kilometer importiert – mit allen Belastungen beim Transport – das zum Thema Regionalität!
Warum gibt es da keine einheitliche Regelung, auch im Hinblick auf Wettbewerbsverzerrungen? Aber auch hier haben wir schon oftmals lernen müssen, dass teilweise länderspezifische Regelungen gelten – übrigens auch innerhalb Deutschlands.
Stattdessen beschäftigen wir uns mit Fragestellungen, inwieweit sich 4 Schweine (!) aus konventioneller Haltung, im Experiment über 1 Jahr im Biobetrieb, „resozialisieren“ lassen –
mit Begleitung von Zoologen und Journalisten (SWR 3, 26.09.2018, 21.00 Uhr, über 45 Minuten).
Mit einem (positiven) Appell möchte ich enden:
Lassen wir uns nicht entmutigen und suchen wir die Diskussion, jeder an seiner Stelle.
Wir haben sehr viele Argumente und sollten sie auch nutzen.
Die deutsche Landwirtschaft ist weltweit führend und alle Nahrungsmittel, die hier erzeugt werden, sind von mehr Nachhaltigkeit begleitet, als an jedem anderen Punkt der Erde.
Wir waren noch nie besser, als heute und sollten selbstbewusst, offen, dialogfreudig und positiv nach vorne blicken.
Nehmen wir die Herausforderung an! Ich freue mich auf Fragen und Resonanz
E X T R A – V I T GmbH
Franz Korte
2018-12-28T13:59:45+00:00